Autismus Spektrum Störung - ASS

Einige persönliche Anmerkungen. . .

Abgesehen von allen klugen Worten erlebe ich viele meiner Autismus-Patienten vor allem als Menschen mit einer eben etwas anderen Form der Persönlichkeit und einer anderen Verteilung von Stärken oder Schwächen. Zumindest die meisten, denn ein Kind mit frühkindlichem Autismus etwa beeindruckt als dermaßen schwer krank, dass die obige Formulierung purer Zynismus wäre.

Es ist wichtig, dass die Betroffenen selbst erlernen, wie sie funktionieren und für ihr Leben den goldenen Mittelweg finden, zwischen dem Suchen etwa nach einem geeigenten Beruf/Arbeitsplatz und dem Erlernen notwendiger sozialer Fähigkeiten.

Bei Kindern ist das soziale Umfeld von großer Bedeutung. Man kann mit ASS Medizin studieren, aber auch als gemobbter Sonderschüler enden. Ich kenne einen Professor für theoretische Quantenphysik, der wegen seiner enormen Qualifikatikon noch in der Pension rund um den Globus eingeladen wird. Inselbegabung in höchster, abstrakter Mathematik. Aber ein ganz normales Gespräch führen kann er nur mit größter Mühe.

All das - die andere Persönlichkeitsstruktur - kann einem Betroffenen aber im Alltag auch Angst machen, sodass er eine Angststörung entwickelt, die dann betulich mit Medikamenten behandelt wird, anstatt das ASS zu thematisieren. Manche sprechen etwas seltsam - wie ein Lehrbuch. Manche haben drollige Eigenheiten - wie Monk im TV. Es kann einem ein schweigsamer Maurer begegnen, der komplizierteste Schachprobleme diskutiert und löst.

Allerdings kann einem auch jemand begegenen, der Schluss gemacht hat mit den anderen Menschen - allen anderen. Der sich selbst aus der Gesellschaft entfernt hat, alle Regeln ablehnt und damit in größte Schwierigkeiten gerät.

Es stellt sich somit definitiv die kritische Frage, ob es "den Autismus" überhaupt gibt. Die Antwort ist eigentlich "nein", denn es handelt sich sich hier um eine relativ uneinheitliche Sammlung von Störungsbildern, die im einen Fall eine erhebliche Einschränkung bedeuten können, während sie im anderen Fall mehr eine Art Wesenseigenart darstellen.

Denn es gibt ihn nicht "den typischen Autisten". Der lässt sich schwer oder gar nicht fassen, definieren, skizzieren. Und es ist ein Irrglaube, dieses Märchen von der völligen sozialen Inkompetenz, das seit Jahrzehnten durch die Bücher geistert und Menschen lebenswichtige Qualitäten völlig abspricht. Es bedarf allerdings bestimmter Ansätze, diese Fähigkeiten zu erwecken und wachsen zu lassen. Ansätze wie sie die MTG-Therapie zweifellos bietet.

Ebenbsowenig wie DEN Autismus gbibt es die allheilbrintgende EINZIGE Therapie. Die MTG-Therapie ist überall dort stark, wo es dezidiert um die Verbesserung der "Social Skills" geht. Das ist ihre Stärke, da sie nicht konditioniert, sondern durch die Rolle des Tiers als sozialem Sparringpartner zur persönlichen Entwicklung direkt beiträgt.


ESSENZ

Am IMTAT werden seit etwa 2015 Menschen mit ASS behandelt. Der Großteil über ärztliche Empfehlung, ein geringerer Teil kam über das Internet oder Zeitungsberichte.  Es waren überwiegend Kinder, Jugendliche und jü+ngere Erwachsene. Alle waren es Patienten auf der Suche nach neuen, effizienten therapeutischen Zugängen.

Es gibt einen ganz bestimmten Patiententyp, der von der MTG-Therapie besonders profitiert. Das sind all jene, bei denen es um die Verbesserung ihrer "Social Skills" geht. Und zwar ganz ohne Konditionierung, ohne Manipulation, ohne Gruppenzwang und Nachahmungstraining oder Dressurakt. Einfach in ganz ruhiger und entspannter Einzelarbeit, die Zeit gewährt für Erkenntnisse, was das eigene Verhalten betrifft. Mögen andere Therapieformen gerne in Gruppen stattfinden. Unbenommen. Die MTG-Therapie ist eine sehr individuelle Arbeit und daher sehr personenbezogen.

Die Funktion des Therapietieres als unabhängiger sozialer Sparringpartner ermöglicht eine einzigartige und unvergleichbare Art der interaktiven Beziehungsarbeit, in der es zu einem natürlichen Anwachsen der sozialen Fähigkeiten kommt. In gewisser Weise könnte man überzeichnet formulieren "das Tier erzieht den Menschen", wenngleich es natürlich nicht Therapeut, sondern sozialkompetenter Teilnehmer an den Trainingseinheiten ist. Allerdings ist gesundes Sozialverhalten eine der Grundlagen gedeihlichen Zusammenlebens in der Natur. Das macht insbesondere jene Herdentiere, mit denen wir arbeiten, zu Experten auf diesem Gebiet.

Die Grundlage der MTG-Therapie als ganzheitlicher Ansatz ist ja das Suchen von und der der Aufbau auf vorhandene Stärken. Das erleichtert den Betroffenen den Zugang, da sie nicht schon wieder "gefordert" werden, sich anpassen und den (teilweise überhöhten) Erwartungen von Menschen entsprechen sollen, die womöglich nur schwer in der Lage sind, sich in die persönliche Welt eines ASS-Patienten hinein zu versetzen. Sie bekommen Zeit, organisierte Gelegenheit und die Möglichkeit, zu wachsen. Und zu "verstehen", denn besonders viele dieser mesite sehr charmanten Patienten wollen verstehen, nachvollziehen können, was da eigentopichg abläuft, warum Dinge geschehen, sich verändern.

Die MTG-Therapie folgt dabei keinem "Schema F", denn letztlich ist jede Ausprägung von ASS, ja jede psychische Überlastungsstörung per se für sich personenebezogen eine "eigene Erkrankung", die sich oft nur schwer in das Korsett der Diagnosewelt ICD-10 oder DSM-V pressen lässt.

Daher geht es in der MTG-Therapie nicht um die "Behandlung von Krankheiten", sondern um die Linderung von Leid, die Befreiung von Beschwerden, das positive Auflösen oft komplexer Situationen und vor allem um die Förderung der Stärken der behandelten Menschen.

Dennoch ist klar, dass der Ansatz der Arbeit mit Tieren für viele nicht leicht nachvollziehbar ist, da Tiere von jenen, die nie mit ihnen zu tun hatten, völlig unterschätzt werden. Jene, die sich der MTG-Therapie gestellt hatten, habe es jedenfalls sicher nicht bereut. Es konnte in allen Fällen ausnahmslos eine relevate, dokuzmentierbare Zustandsverbesserung erreicht werden. Sogar bei ausgeprägter Co-Morbidität - etwa ein einem Fall mit Angst-Zwangs-Erkrankung.

Möglicherweise liegt das auch am strengen Auswahlverfahren vor Therapiebeginn, denn es ist erforderlich, VOR der Therapie gewissenhaft auszuloten, ob die vorliegenden ASS-Ausprägung und die MTG-Therapie optimal zusammenpassen. Denn eines ist klar - ebensowenig wie es DEN Autismus gibt, gibt es DIE Therapie. Das gilt es abzustimmen, um unnötige finanzielle Ausgaben und Enttäuschungen zu vermeiden.   


WENN SIE ERHEBLICH MEHR ZEIT HABEN . . .

Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen und offenbart sich nicht als klar umrissenes Krankheitsbild, sondern kann sehr unterschiedliche Erscheinungsformen aufweisen.

Heute spricht man wegen der enormen Komplexität von der Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Blickt man kurz zurück, ist „Autismus“ eine ursprünglich „Österreichische“ Erkrankung. Leo Kanner, geborener Österreicher, späterer preußischer Staatsbürger und ausgewanderter Begründer der Kinder/Jugendspsychiatrie in den USA beschrieb 1943 erstmals „Autistic disturbances of affective contact“, gefolgt von Hans Asperger mit „Die autistischen Psychopathen im Kindesalter“.


Alarmierend: die Zahl der Autismus-Diagnosen steigt geradezu explosionsartig und Betroffene sind ggf. länger in der Obhut der Erwachsenenpsychiatrie als in den Händen der Kinder/Jugendpsychiater. Die ASS bleibt ja ein Leben lang bestehen.

Seit 2000 ist ein stetiger steiler Anstieg der Häufigkeit feststellbar mit einer Häufigkeit von bis zu 116/100.000, verursacht durch veränderte Diagnosekriterien, verbesserte Diagnostik und erhöhte Sensibilisierung der Medizin. Aber auch das höhere elterliche Zeugungsalter und Umweltfaktoren wie die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft werden dafür mit verantwortlich gemacht.

Konkretere Zahlen existieren leider nicht - daher müssen wir mit jenen leben, die vorhanden sind. Es ist auch nicht sicher, ob der "Anstieg" nicht einfach nur auf eine höhere Sensibilität bezüglich der ASS zurückgeht. Für die Betroffenen ist das letzlich unerheblich.


Es  gelten folgende allgemeine diagnostische Kriterien:

  • Qualitative Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion

    • Eingeschränkter Blickkontakt

    • Wenig Mimik & Gestik

    • Wenig soziales Lächeln

    • Unangemessene soziale Annäherung

    • Unangemessene soziale Reaktionen

    • Kann nicht trösten

  • Repetitives, restriktives & stereotypes Verhalten


So stellt man sich das im Detail vor...

Kinder mit ASS orientieren sich nicht an Mimik, sondern an nicht-sozialen Kontingenzen (zB audivisuelle Synchronizität), Licht und Tonreize etwa werden aufmerksamer erlebt als soziale Signale. Sie haben als Kleinkinder durchschnittlich ein höheres Gehirnvolumen - vor allem im Frontalbereich – kombiniert mit einer metabolischen Unterfunktion. Etwa ab dem 5. Lebensjahr kehrt sich das in eine fronto-temporale Wachstumsverzögerung um.

Es kommt zu typischen Störungen der Konnektivität mit einer Herabsetzung der Verarbeitung komplexer Informationen wie etwa sozialer Vorgänge sowie einer verstärkten lokalen Detailverabeitung mit Überbetonung spezifischer Einzelheiten.

Die Heterabilität liegt bei 70-90%, wobei das genetische Risiko assoziiert ist mit subklinischer ASS-Symptomatik und dem klinisch Phänotyp der ASS. Selbst gesunde Geschwister zeigen soziale Defizite.

Das Problem für ein ASS im Erwachsenenalter besteht vor allem darin, dass es keinerlei valide klinisch Meßinstrumente gibt. In der Therapie zeigen verhaltenstherapeutische Maßnahmen die beste Effizienz. Psychopharmaka sind nur in der Behebung komorbider Störungen hilfreich – nicht aber bezüglich der Kernsymptomatik. Idealerweise würde eine konsequente Frühförderung – bereits ab dem 2-3. Lebensjahr - die besten Ergebnisse bringen.


Die Störung kann sich bereits in der Kindheit manifestieren und betrifft im Wesentlichen folgende Bereiche:

  • Soziale Beziehungen
  • Soziale Kommunikation
  • Soziales Verständnis bzw. soziale Vorstellungsfähigkeit


In überdurchschnittlich hohem Ausmaß wird in dieser Indikation heute die ABA-Therapie propagiert. Dahinter steht, von der amerikanischen Privatuniversität Princeton ausgehend, ein machtvolles Netzwerk mit beinharten finanziellen Interessen. Die Investitionen zur Verbreitung dieses durchaus interessanten Therapiekonzeptes sind enorm ebenso wie die Behandlungskosten von etwa 20.000.-€ (Quelle:"Die Zeit" 2017) jährlich. Auch Steuergelder aus der EU werden zum Nutzen der Princeton University ausgegeben. 


Was bietet hier die MTG-Therapie, wenn wir etwas Ausführlicher werden?

  • Möglichst früher Beginn - Nun, das ist bei allen Therapien und allen Krankeiten der Welt so, dass man möglichst früh mit der Behandlung beginnen sollte.
  • Individuell auf das Kind/die Person zugeschnittene, strukturierte Förderprogramme -   das individuell abgestimmte Therapiemanagement ist in der MTG-Therapie schon immer eine der Grundlagen des Erfolges
  • Zu lernende Inhalte werden in einfache Lernelemente zergliedert und schrittweise erarbeitet. Bei Kindern mit ASS ist zunächst einmal herauszufinden, WAS dieses Kind denn in der Lage ist, zu lernen. Die Beobachtung der Interaktion mit verschiedenen Tieren in unterschiedlichen therapeutischen Settings hilft sehr stark, auf non-verbaler Ebene dazu Informationen zu bekommen. Das Wachstum führt immer über die Stärken des Kindes und nicht über die "Bekämpfung" irgendwelcher Symptome.
  • Aufbau von Motivationssystemen (Neugier/Interesse wecken, Beziehung/Mitarbeit aufbauen/fördern) - Ob TIer oder Mensch, wir lernen in der Regel, indem unserer Neugierde geweckt wird. Was die Förderung von Beziehung betrifft, unterscheidet die MTG-Therapie durch die direkte Interaktion mit echten, unmanipulierten Sozialpartnern - sozialen Sparringpartnern - von allen anderen Ansätzen erheblich, da das soziale Lernen nicht anhand von Konditionierung und Dressur, sondern real und in Echtzeit erfolgt. "Erlerntes" muss daher nicht nachher erst mühsam in die "Realität" übertragen werden.   
  • Interesse & Spaß am Lernen sowie an der Interaktion –> positive (soziale) Erfahrungen! - "Positive soziale Erfahrungen und Bestätigung richtigen Sozialverhaltens", das ist definitiv eines der Kernziele in der Behandlung einer ASS. Im spielerischen Umgang mit den Tieren wird inder MTG-Therapie exakt das erlebt. Auf falsches Sozialverhalten geben Tiere natürlich nicht die gewünschte, sondern eine andere Antwort. Der Lernprozess ist sehr klar, einfach und direkt.
  • Förderung der Selbständigkeit / selbstbestimmtes Handeln - Der Umgang mit Tieren kann nur selbständig erfolgen und nicht durch einen Stellvertreter...
  • Generalisierung (systematisches Anwenden der erlernten Fertigkeiten in Kindergarten, Schule, Arbeit, Zuhause, Freizeit etc.) - das entfällt in der MTG-Therapie, denn das positiv Erlebte und Erlernte wurde bereits in der Realität bestätigt und muss nicht mühsam aus der Therapie-Situation in die "Wirklichkeit" übertragen werden.
  • Einbeziehung der Eltern als Co-Therapeuten - das ist schon insofern von Bedeutung als die Beobachtung der Interaktion mit den Tieren einen Wissenszuwachs bezüglich der individuellen Befindlichkeit des Betroffenen ermöglicht 
  • Intensiv gefördert wird:
  1. Selbstbestimmtes Handeln - unbedingt, denn der soziale Umgang mit den Tieren erfordert dies
  2. Imitationsverhalten - spielt in der MTG-Therapie keine Rolle, da Erkenntnisse erarbeitet werden nicht kopiert
  3. Erhöhung der Aufmerksamkeit "auch in sozialen Situationen" -  In der Regele gelingt das mittels der Tiere ganz besonders gut bis sehr gut.
  4. Sprache/Kommunikation -  Konkret ist zu sagen, dass der gezielte Umgang mit Tieren ein erhebliches Maß an Kommunikationskontrolle erfordert, insbesondere auf dem höchst wichtigen Gebiet der non-verbalen Kommunikation. Die einseitige Konzentration auf die Sprache schwächt die Qualität des individuellen Kommunikationscocktails.
  5. Sozialverhalten - das ist letztlich der Grund, warum wir therapeutisch tätig werden und damit Kerninhalt der Behandlungsbemühungen. Das direkte Feedback der Tiere in Echtzeit ist als Lernkonzept allen anderen Methoden überlegen.
  6. Spielverhalten  - nun einen andern Zugang als über das Spiel wird eine intelligente Therapie wohl nicht nehmen. 
  7. Motorik - motorische Fähigkeiten verbessert man durch Training/Bewegung, eine Domäne der MTG-Therapie
  8. "Theory of Mind" - hinter dieser kryptischen, kulturfremden Formulierung steckt vermutlich der Ansatz, die Betroffenen mögen erahnen, was "in den Köpfen der anderen" vorgeht. Hoch wünschenswert und nur in der sozialen Interaktion mit Tieren beurteilbar, da diese keinen Verhaltensbias haben.



Weitere Vorteile der MTG-Therapie

  • Nutzung / Steigerung des Spielverhaltens
  • Stimuli wiederholt angeboten
  • schrittweise Erweiterung des „Schwierigkeitsgrades“
  • stark kommunikationsfördernd
  • Hebung der sozialen Kompetenz
  • adaptive Verhaltensweisen werden aufgebaut/verstärkt
  • Hohe Intensität als „Stoßtherapie“ möglich / Therapieurlaub
  • Belohnung ergibt sich aus der positiven „Rückmeldung“ des Therapietieres in der gemeinsamen Bewältigung der Aufgaben
  • Vor allem aber ist die MTG-Therapie die einzige Therapie mit einem unabhängigen Sozialpartner = Tier


Was ist eine ASS?

Was hinter dem Autismus steckt, ist weitgehend ungeklärt. Es wurden verschiedene Theorien entwickelt. Möglicherweise handelt es sich um die Folge einer nicht näher definierbaren Gehirndysfunktion, die auf dem Hintergrund einer genetischen Prädisposition auftritt. (Wolff 1998) Die Störung ist unabhängig von intellektuellen, sozio-ökonomische oder ethnischen Faktoren. Buben sind 4x häufiger betroffen als Mädchen. Die Häufigkeit hängt von den jeweiligen Definitionskriterien ab und wird mit bis zu 40 je 10.000 Kinder geschätzt.  Da es de facto keine exakten Zahlen gibt, ist eine Zahl so gut wie die andere.

Wie entsteht eine ASS?

Zu den tatsächlichen Entstehungsmechanismen sind viele Theorien entwickelt worden, zahlreiche Untersuchungen wurden auf verschiedenen Ebenen durchgeführt. Da es sich um eine Entwicklungsstörung handelt, geht man von einer hirnorganischen Komponente aus und könnte damit in die Kategorie der neurologischen Störungen eingereiht werden.

Statistisch findet man in den Familien der Betroffenen gehäuft Menschen mit Sprachstörungen, Lernschwierigkeiten und kognitiven Beeinträchtigungen. Andererseits weisen Betroffene zu ca. 50% so genannte „Inselbegabungen“ auf. Das heißt, sie sind auf einem bestimmten Gebiet weit überdurchschnittlich kompetent. Zusammengefasst handelt es sich um eine derzeit nicht näher definierbare Entwicklungsstörung des Gehirns von der in Österreich rund 48.500 Kinder betroffen sind (www.autistenhilfe.at)


Wie erkenne ich eine ASS?

Die Diagnose erfolgt meist innerhalb der (frühen) Kindheit. Es fällt ein gestörtes Sprach- und Bewegungsverhalten auf. Ferner zeigt sich „Kontaktarmut“ bis hin zur sozialen Isolation und ein „Nichtverstehen und Akzeptieren“ der äußeren Einflüsse.

Im Detail zeigt sich folgendes Bild:

  • Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion in Form von fehlender sozialer und emotionaler Gegenseitigkeit. Das heißt, die Kinder können sich in die Gefühle anderer Menschen nur schwer hineindenken und sie daher nicht gut nachvollziehen. Dadurch können sie das eigene kommunikative und emotionale Verhalten kann nur schwer auf die soziale Situation einstellen.
  • Qualitative Auffälligkeiten der verbalen und non-verbalen Kommunikation
  • Eingeschränkte, sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten.


Weitere Kriterien:

  • Eine auffällige und beeinträchtigte Entwicklung bereits vor der dritten Lebensjahr (häufig Verzögerungen der Sprachentwicklung oder Ausbleiben von Sprache)
  • Das klinische Erscheinungsbild kann nicht einer anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörung oder einer anderen psychischen Störung zugeordnet werden. (Ausschlussdiagnose)
  • Die Umwelt wird anders wahrgenommen. Wie bei einem Filterdefekt werden normal laute Geräusche als extrem störend erlebt. Wnzige Details, die sonst niemand sieht, werden wahrgenommen.



Wie erfolgt die Diagnose ASS?

Sie erfolgt durch einen Facharzt für Kinder/Jugendpsychiatrie, um das Störungsbild von ähnlichen Störungen abzugrenzen. Eine exakte Psychodiagnostik mit standartisierten Untersuchungsinstrumenten stellt im Diagnoseprozess einen wesentlichen Baustein in der ganzheitlichen Erfassung der Symptomatik und Diagnosestellung dar. Folgende andere Störungen müssen ausgeschlossen werden: Intelligenzminderung ohne Autismus, expressive, rezeptive Sprachstörungen und Landau-Kleffner–Syndrom, Deprivation, frühkindlichen Schizophrenie, Mutismus, Bindungsstörungen, Angststörungen und andere wie ADHS.


Was tun bei ASS?

Wesentlich ist die möglichst frühe Diagnose. Die Behandlung folgt einem so genannten multimodalen Konzept. Das heißt, es stützt sich auf unterschiedliche Maßnahmen, vorwiegend verhaltenstherapeutisch-psychoedukativer Zielrichtung

Das Behandlungsspektrum umfasst verschiedene therapeutische Verfahren zur aktiven Veränderung von Verhaltensstereotypien und zum Aufbau von Kompetenzen. Die Schwerpunkte liegen dabei in der Kommunikationsförderung (Sprachaufbau, Bild- und Symbolkommunikation, Gebärdensprache, etc.), der Verbesserung des Sozialverhaltens, der Spielförderung, der Wahrnehmungsförderung, der Erweiterung der Handlungskompetenzen sowie der Bearbeitung sekundärer Verhaltensprobleme.

Beispiele für derartige Therapien sind: Verhaltenstherapie, sensorische Integrationstherapie, geführte Interaktionstherapie, lernpsychologisch systemorientierte Methoden oder kreative Verfahren. Am bsten evaluiert sind edukative Ansätze wie TEACCH („Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“) oder ABA( „Applied behaviour Analysis“).

Ein in Österreich einzigartiger Ansatz ist die MTG-Therapie (entwickelt am AIAASR), die besonders gute Erfolge auf dem Sektor der Verbesserung der Sozialkompetenz für sich in Anspruch nehmen darf.

Hier ist anzumerken, dass diese Therapie auch bei zahlreichen anderen Störungen erfolgreich eingesetzt wird und per se nicht Autismus-spezifisch ist. Als einzige jedoch bietet sie tatsächliche soziale Interaktion und den damit verbundenen soziotherapeutischen Trainingseffekt.

Je nach Schweregrad besonders belastender Symptome wie Autoaggression, explosiver Aggressivität oder Hyperaktivität kommen auch Psychopharmaka zu Einsatz. Die Medikation ist nie kausal, sondern immer nur symptomatisch, um Auffälligkeiten einzudämmen. Je nach Situation Neuroleptiuka/Antipsychotika, Stimulantien und Antidepressiva.



Wie verläuft eine ASS?

Wie sich eine autistische Störung entwickelt, kann man nicht exakt vorhersagen. Generell hängt viel vom Schweregrad der Entwicklungsstörung und möglichen Begleitstörungen ab. Wichtig ist, dass die Störung früh erkannt und die Betroffenen entsprechend behandelt und intensiv gefördert werden. 

Die Symptome der Krankheit sehen in den verschiedenen Altersstufen unterschiedlich aus, in der Kindheit sind sie meist am stärksten ausgeprägt. Im Vorschulalter zeigt sich häufig das volle Spektrum der Störung. Im Schulalter mildert sich häufig die Symptomausprägung. Im Jugendalter und im frühen Erwachsenenalter erreichen etwa die Hälfte der Betroffenen eine deutliche Verhaltensbesserung, während die Störung bei anderen stagniert oder sich die Symptome wieder verstärken.

Einige Patienten können mit ambulanter Hilfe gut in die Familie integriert werden, eine/n normale/n Kindergarten bzw. Schule besuchen, evtl. eine Berufsausbildung absolvieren und relativ viele Dinge im Alltag allein verrichten. Bei anderen Betroffenen wiederum ist die Störung so ausgeprägt und die Selbstverletzungsgefahr so groß, dass die Patienten in einer betreuten Wohnform besser aufgehoben sind als zu Hause und dort auch optimal gefördert werden.

Weitere Informationen:
  • www.autismus1.de
  • www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
  • „Das Handbuch des Autismus“, M.Aarons, T.Gittens, 3. Auflage 2010, Beltz-Verlag